Brauchtum

Ohne Fas(t)nacht und Mummenspiel
ist am Februar nicht viel

Der Höhepunkt des närrischen Faschingstreibens fällt in den Monat Februar, der in früheren Zeiten auch «Hornung» genannt wurde. Es sind dies die letzten vier Tage vor der Fastenzeit: Faschingssamstag und -sonntag, Rosenmontag, Faschingsdienstag. Unüberschaubar sind die Veranstaltungen, die an diesen Tagen in ganz Österreich stattfinden: Faschingsumzüge und Tanzabende, Maskenbälle und traditionelles Maskentreiben. Auch das Verkleiden hat sich in den letzten Jahren auf alle Bereiche des täglichen Lebens ausgebreitet.

Ursprünglich war die Fas(t)nacht der Abend und die Nacht vor Aschermittwoch, dem Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest. Obwohl die Idee, den Faschingsbeginn am 11. November um 11 Uhr 11 Minuten zu feiern, sehr propagiert wird, dauert die Faschingszeit heute im allgemeinen vom Dreikönigstag bis Aschermittwoch. Vielfältig sind die Bezeichnungen für diese Wochen, die der Fastenzeit vorangehen und für das in dieser Zeit übliche Maskentreiben: Neben Fastnacht finden sich u.a. die Fosnat im schwäbisch-alemannischen Gebiet, die Fasnet in Franken und Fasching im bayrisch-österreichischen Raum. In den Rheinlanden feiert man den Karneval, der auf zünftische Vorbilder im 18. Jahrhundert zurückgeht. Dazu kamen Einflüsse aus dem italienischen Karneval, was zu den auf den Straßen abgehaltenen, typisch großstädtischen Festen führte.

Das Wort Fastnacht ist seit etwa 1200 belegt. Schon im Mittelalter kam die Sitte auf, die Fastnacht mit Schmausereien und Trinkgelagen zu begehen. Auch von Tanzereien wurde berichtet, ferner über Stech- und Turnierspiele der Adeligen, im Spätmittelalter darüber hinaus dann von Vermummungen, Possen und Umzügen mit einem vielgestaltigen Maskenbrauchtum. Den vielfach groben und exzessiven Brauchhandlungen der Fastnacht des Spätmittelalters folgten im 16. Jhdt. gefälligere Schau- und Vorführbräuche der Handwerker wie Reif- und Schwerttänze. In der Barockzeit blühte die Fastnacht als prunkvolles Kostümfest an den Fürstenhöfen. Die beiden Traditionen vergangener Jahrhunderte, nämlich Maskenumzüge einerseits und höfische Ballveranstaltungen andererseits, sind noch heute in unserem Faschingsbrauchtum zu erkennen. Große Vorbildwirkung auf unsere städtischen Faschingsumzüge hat der vereinsmäßig organisierte Mainzer Karneval, der vor allem durch die alljährliche Fernsehübertragung auch bei uns zur Einführung von Phantasieuniformen, einem eigenen Gruß, dem Faschingsprinzenpaar, etc. beigetragen hat.

Im Fastnachtstreiben der alpenländischen Regionen leben alte Bräuche wieder auf und haben sich in ganz eigenen Formen erhalten. In den Maskenläufen werden historische Brauchfiguren vorgeführt, die vielfach mit den Winter- und Vorfrühlingsbräuchen in engem Zusammenhang stehen, denn symbolisch sollen der Winter und all seine bösen Geister in Saus und Braus, mit Unfug und Lärm ausgetrieben werden, wenn auch heute dabei niemand mehr an Dämonen und Naturgötter denkt. Sowohl in den zeitlichen Schwerpunkten als auch besonders in der Braucherscheinung finden sich zahlreiche landschaftliche Unterschiede.

In fast ganz Vorarlberg wird das «Funken-Abbrenna» als endgültiger Abschluß der Fastnacht angesehen. Am Funkensonntag, dem ersten Fastensonntag (Altfasnacht, Invocavit) wird ein kunstvoll geschichteter, ca. 15 Meter hoher Holzstoß, der unter Aufsicht eines Funkenmeisters errichtet wird, abgebrannt. Doch ein Funken ist kein Funken ohne "Funkahäx"! Hoch oben, am Ende des Scheiterhaufens, noch unterhalb des Wipfels, thront eine selbstgebastelte Hexe. Ein böses Omen, wenn die Hexe - sie ist meist mit Pulver gefüllt - nicht kracht! Das Abbrennen des Funkens ist eine symbolhafte Überlieferung an der Wende der Jahreszeiten. Der Winter und alles Böse sollen zusammen mit der "Funkahäx" verbrannt und der Freude über den nahen Frühlingsbeginn Ausdruck verliehen werden.

Dr. Erika Flemmich