Brauchtum:

Es zieh'n aus weiter Ferne drei Könige einher ...
Die Sternsinger

Zum Fest der «Erscheinung des Herrn», dem «Dreikönigsfest», ziehen in Stadt und Land Mädchen und Buben, verkleidet als die heiligen drei Könige, Caspar, Melchior und Balthasar, von Haus zu Haus. Angeführt wird die kleine Gruppe von dem Sternträger, dessen Stern an den von Bethlehem erinnern soll, der den Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe gewiesen hat. Die Sternsinger tragen Gedichte und Lieder vor und schreiben mit geweihter Kreide zwischen die Jahreszahl des begonnenen Jahres die Buchstaben C + M + B an die Wohnungs- und Haustüren. Fälschlicherweise werden auch heute noch immer diese drei Buchstaben als die Abkürzung für «Caspar», «Melchior» und «Balthasar» angesehen. In Wahrheit handelt es sich um den Segensspruch «Christus mansionem benedicat» - «Christus segne dieses Haus».

Der Sternsingerbrauch kam spätestens in der Zeit der frühen Gegenreformation auf, gewöhnlich im Umkreis von Bischofssitzen und Stiften, wo er zunächst von Kloster- und Chorschülern geübt wurde. Die älteste zuverlässige Nachricht stammt aus dem Benediktinerstift St. Peter zu Salzburg, wo 1541 die «Singer mit dem Stern» am Fest «Trium Regum» (Dreikönigsfest) erwähnt werden. Der Brauch verbreitete sich rasch und erfuhr in seiner Form kaum wesentliche Veränderungen. Das belegen bildliche Darstellungen, unter denen die älteste, die den Brauch dokumentiert, auch die bedeutendste ist: Rembrandts Radierung «Sternsinger» aus der Zeit um 1640. Mit der Aufklärung Ende des 18. Jhs. wurde das Sternsingen als «Mißbrauch» von der Obrigkeit abgeschafft. Erst zur Zeit der katholischen Restauration im 19. Jh. erfuhr der Sternsingerbrauch eine Wiederbelebung. Besonders in den ländlichen Gegenden wurden die Sternsinger in verschiedene Festabläufe eingebaut, die verlorengegangen, aber in jüngerer Zeit mit Erfolg wiederbelebt wurden. Dabei handelt es sich um Dreikönigsspiele, Dreikönigsritte und Heischeumzüge mit den Sternsingern, Veranstaltungen, die u.a. in Oberndorf, Gmunden, Heiligenblut, Bad Ischl, St. Gilgen und Scheibbs heimisch sind.

Seit 1954 führt die Katholische Jungschar österreichweit eine Dreikönigsaktion durch. Sternsingergruppen besuchen Familien, private und öffentliche Institutionen und sammeln Geld für die Mission, das jedes Jahr einem bestimmten Projekt in der Dritten Welt zugute kommt.

Ab dem Jahr 1958 hat sich auch die Katholische Jungschar in Maria Enzersdorf dieser Aktion angeschlossen. Eine Eintragung in der Pfarrchronik aus diesem Jahr berichtet: «Am 5. Jänner gingen die Ministranten zum ersten Mal Sternsingen. Überallhin - auch zum Heurigen - wagten sich die hl. 3 Könige, um ihr Lied zu singen. 550 Schilling konnten gesammelt werden für die Mission!»

Seit Jahren ziehen mehrere Gruppen von Sternsingern 3 Tage lang durch Maria Enzersdorf. Auf Initiative unseres rührigen Herrn Pfarrers, P. Thomas, geht nun auch an den Abenden vor dem 6. Jänner eine Gruppe Erwachsener als Sternsinger zu den Heurigenbetrieben des Ortes, verkündet die frohe Botschaft von der Geburt Christi und sammelt für die Mission. Im Vorjahr konnte dadurch der Erlös der Sternsingeraktion um S 7000,- vermehrt werden.

Wir Maria Enzersdorfer freuen uns über diese Aktivitäten und wünschen unseren Sternsingern - den kleinen und den großen - viel Freude und Erfolg bei ihrem heurigen Gang durch unseren Ort.

Dr. Friederike Grasemann