DIE STEYLER MISSIONARE
«Gesellschaft des Göttlichen Wortes (SVD)»
Gründer des Steyler Missionsordens ist der heilige Arnold Janssen (5.11.1837-15.01.1909).
Er errichtete 1875 das erste Missionshaus der «Gesellschaft des Göttlichen
Wortes», (Societas Verbi Divini - SVD) im niederländischen Steyl.
Darum werden die Ordensmitglieder auch «Steyler Missionare» genannt.
Schon 1879 wurden die ersten Missionare nach China ausgesandt. Im Zuge der Missionsbegeisterung
des ausgehenden 19. Jahrhunderts wuchs der neue Missionsorden rasch an.
Einsatzgebiete der Steyler Missionare
Zu Beginn europäisch geprägt, hat sich der Orden heute in eine internationale
Gemeinschaft gewandelt, deren ca. 6000 Mitglieder mehrheitlich aus Asien (Indonesien,
Indien, Philippinen) stammen.
Die Brüder und Priester des Steyler Missionsordens leben und arbeiten derzeit
in etwa 60 Ländern aller Kontinente in der Seelsorge, in Sozialdiensten,
an Universitäten und Schulen, im Bibelapostolat, im Bereich der Medien
usw.
Die Steyler Missionare in Österreich
1889 kam es zur Gründung des Missionshauses St. Gabriel, das heute noch
das größte Missionshaus Österreichs ist: mit Theologischer Hochschule,
Religionstheologischem Institut, Exerzitienhaus, missions-ethnographischem Museum,
Buch- und Zeitschriftenverlag («Stadt Gottes», «Weite Welt»).
1904 folgte die Errichtung des Privatgymnasiums St. Rupert in Bischofshofen,
das heute eine Schule mit christlich-missionarischer Prägung für rund
350 Burschen und Mädchen ist.
Zur «Steyler Ordensfamilie» gehören auch die «Steyler
Missionsschwestern» und die «Steyler Missionsschwestern von der
Ewigen Anbetung».
Der Ordensgründer Pater Arnold Janssen wurde zusammen mit Pater Josef Freinademetz
am 19. Oktober 1975 von Papst Paul VI. selig-, am 5. Oktober 2003 von Papst
Johannes Paul II. heiliggesprochen und als einer der größten Förderer
der neuzeitlichen Mission gewürdigt.
Nähere Information über die Steyler Missionare und über die Heilig-Geist-Kirche
St. Gabriel: www.steyler.at
Das Missionshaus St. Gabriel ein Blick in
die Geschichte
Am 27. 10. 1888 erhält P. Arnold Janssen, der Gründer der Steyler
Missionare, von Kaiser Franz Joseph die Erlaubnis, eine Niederlassung des noch
jungen Missionsordens (seit 1875) in der österreichischen Reichshälfte
der Monarchie zu errichten. Jahrelang hatte sich Janssen darum bemüht und
dafür auch die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen
und bereits einen geeigneten Baugrund in Maria Enzersdorf gefunden.
Nun ging es schnell. Bei der Grundsteinlegung, am 26. 4. 1889 formulierte er
als Zielbestimmung des neuen Missionshauses: «Zur größeren
Ehre und Verherrlichung des Heiligen Geistes», zur Verbreitung der Kirche,
«ihres Heiles und ihrer Segnung auf die Völker, welche sie noch nicht
kennen» und «zum geistigen Nutzen dieser Gegend».
St. Gabriel wurde als das zentrale Ausbildungshaus der «Gesellschaft des
Göttlichen Wortes» (Societas Verbi Divini SVD), wie die «Steyler
Missionare» offiziell heißen, geplant. Doch darüber hinaus
entwickelt sich der rote Backsteinbau rasch auch zu einem geistigen Zentrum.
Männer wie Johannes Janssen, der Bruder des Stifters und erste Rektor von
St. Gabriel, P. Eikenbrock oder P. Gier, deren Leben vom Gebet getragen ist,
verstehen es, den Geist des Gründers zu vermitteln. Auch die gediegene
wissenschaftliche Ausbildung der zukünftigen Missionare, die Arbeit des
Sprachforschers und Völkerkundlers P. Wilhelm Schmidt, P. Gieses soziale
Tätigkeit, die Aushilfen der Priester oder die gut gestalteten Gottesdienste
machen St. Gabriel schnell bekannt.
Der Erste Weltkrieg stoppt die rasante Entwicklung. Doch nach dem Krieg füllt
sich St. Gabriel rasch wieder und erreicht schon 1925 mit 650 Bewohnern den
absoluten Höchststand. Sie kommen aus Österreich, Ostdeutschland,
der Schweiz und den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie. Unter dem Rektorat
von P. Josef Grendl wird die Missionsdruckerei gegründet, Mitbrüder
gehen für Volksmissionen in die Pfarreien, St. Gabriel selbst wird zu einem
Zentrum der Exerzitienbewegung. Diese Zeit war auch durch eine starkes Anwachsen
der Brüderberufe gekennzeichnet.
In der Zwischenkriegszeit wird St. Gabriel durch seine Wissenschaftler auch
international bekannt und berühmt: P. Schmidt hält Vorträge in
aller Welt, P. Gusinde und P. Koppers forschen bei den Feuerlandindianern. P.
Schebesta bei den Pygmäen in Afrika. Als Missionswissenschaftler organisiert
P. Thauren internationale Kongresse und großangelegte Missionsfeste in
St. Gabriel. In den ersten 50 Jahren seines Bestehens wurden über 2000
Priester und Brüder für die Mission in Europa und Übersee ausgebildet.
Naziherrschaft und der Zweite Weltkrieg machen dem ein abruptes Ende. 1941 wird
das Haus enteignet und in die «Flugmotorenwerke Ostmark» eingegliedert.
Von den 357 eingezogenen Patres, Brüder und Studenten kommt ein Viertel
nicht mehr aus dem Krieg zurück.
Die Wiederinstandsetzung gestaltet sich entbehrungsreich. Von unschätzbarem
Wert sind in dieser Zeit die eigene Mühle und die erhalten gebliebene Druckerei.
So geht es den Umständen entsprechend rasch wieder aufwärts. Neben
der Ausbildung von Missionaren widmet sich St. Gabriel wieder der außerordentlichen
Seelsorge, Volksmissionen und Exerzitien. 1955 entsteht das österreichische
Priesterfortbildungsinstitut in St. Gabriel. 1963 wird das Exerzitienhaus eröffnet.
Und in besonderer Weise tragen auch die Zeitschriften «Stadt Gottes»,
«Weite Welt» (bis 1965 «Jesusknabe») und der «Michaelskalender»
zur Verbreitung missionarischen Bewusstseins in der Bevölkerung bei.
Um 1960 hatte St. Gabriel wieder etwa 400 ordenseigene Bewohner.
Die wissenschaftliche Tradition St. Gabriels wird in der Neuordnung der Theologischen
Hochschule, nun an die Päpstliche Universität Urbaniana angeliedert
und vom österreichischen Staat anerkannt, und dem Religionstheologischen
Institut weitergeführt, wobei der Schwerpunkt nun auf dem Dialog mit den
großen Weltreligionen liegt.
In den letzten 20 Jahren ist St. Gabriel auch zu einem Anziehungspunkt für
Jugendliche geworden. Die «Jugendnacht» beispielsweise versammelt
regelmäßig zwischen 50 und 100 Jugendliche zu Gebet, Meditation,
geistlichem Gespräch und zur Eucharistiefeier. Seit 1983 feiert die Hausgemeinschaft
das Pfingstfest mit ungefähr 200 jungen Christen aus ganz Österreich
und den Nachbarländern.
Doch die gesellschaftlichen und kirchlichen Umwälzungen der sechziger und
siebziger Jahre bringen auch für St. Gabriel tiefgreifende Veränderungen.
Fortan kann nicht mehr mit einer derart großen Zahl an geistlichen Berufen
gerechnet werden. Der Nachwuchs aus den deutschsprachigen Ländern ist in
den neunziger Jahren völlig ausgefallen. Das bringt beträchtliche
Konsequenzen mit sich: Eine Reihe von Betrieben im Haus mußten geschlossen
werden. Das betraf in den letzten Jahren vor allem die Druckerei und Buchbinderei.
Veränderte wirtschaftliche Bedingungen und fehlende eigene Kräfte
zwangen dazu. Diese Situation wirkt sich auch bedrohlich auf die ordenseigene
Theologische Hochschule aus.
So kann die Gemeinschaft des Missionshauses St. Gabriel auf eine bewegte Geschichte
mit glanzvollen Höhepunkten und tragischen Tiefen zurückblicken. Die
Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft angesichts der herrschenden gesellschaftlichen
und religiösen Situation sind enorme. Und dennoch: der Auftrag des Stifters
bei der Grundsteinlegung ist auch heute noch gültig.
Das Missionshaus St, Gabriel liegt im Gemeindegebiet Maria Enzersdorf mit Postanschrift
2340 Mödling, Gabrielerstraße 171.
zuletzt geändert am 4.4.2007