Hilde Domin, eine große Dichterin des 20. Jahrhunderts, hat vor allem mit dem reimlosen Gedicht und dessen Wortfluss und sanftem Rhythmus eine unverkennbare Vollendung erreicht.
Ihr eigentlicher Name ist Hildegard Löwenstein. Domin, der Künstlername, drückt die Verbundenheit mit der Dominikanischen Republik aus, die ihr nach langer Flucht aus Deutschland Exil gewährt.
Geboren in Köln, wächst sie wohlbehütet in einer gut situierten jüdischen Juristen-Familie auf, genießt anstatt der Grundschule Privatunterricht und wechselt dann in ein vornehmes Lyzeum, wo sie in Haushaltsführung, aber auch Klavier und Gesang ausgebildet wird.
Aus „Begeisterung für den Vater“ schreibt sie sich an der Juristischen Fakultät in Heidelberg ein, wechselt aber bald zu Nationalökonomie, sowie Sozial- und Staatswissenschaften. Anfang der „Dreißigerjahre“ erlebt sie die ersten politischen Tumulte samt Schlägereien an Universitäten und Straßen, die letztendlich zum Sieg der Nazi-Diktatur führen.
1931 lernt sie den jüdischen Archäologie-Studenten und späteren Mann Erwin Palm kennen. Mit ihm zieht sie nach Italien für weitere Studien, aber auch um der aufkeimenden Judenverfolgung zu entgehen. Die neuen Rassengesetze in Mussolinis Italien zwingen sie zur Flucht nach Frankreich, England und über Kanada schließlich in die Dominikanische Republik.
Hier beginnt ihr Dichterleben. Der Entfremdung von ihrem Mann setzt sie ihr Schreiben entgegen, das sie nach eigenen Worten vor einem Selbstmord bewahrt.
Nach 22 Jahren Exil kehrt sie nach Deutschland zurück und fünf Jahre später erscheint ihr erster Gedichtband, dem – bis ins hohe Alter – noch viele Schriften folgen. Sie wird vielfach ausgezeichnet, doch alle Ehrungen konnten Hilde Domin nie das verlorene Heimatgefühl ersetzen. Zuflucht bieten ihr das dichterische Wort, die deutsche Muttersprache.
Mit Freude hält sie Lesungen in Gefängnissen, Kirchen, Schulen, bis ein Sturz auf Glatteis alldem ein Ende setzt. Mit 96 Jahren verstirbt sie in Heidelberg.