Die Biografie von Marie Luise Kaschnitz zeigt seelische Abgründe auf, die schon in der Kindheit ihre Wurzeln haben.
Aufgewachsen in Potsdam und Berlin, wo die aus altem Adel stammenden Eltern am Hof tätig sind, sieht sich das Kind ins Abseits gedrängt. Sie hat zwei Schwestern und einen Bruder, die hübsch und mutig sind. Sie aber fühlt sich klein und von den Eltern und Geschwistern unbeachtet.
Mit 13 erlebt sie den bejubelten Beginn des Ersten Weltkriegs, der bald zu Ernüchterung und Chaos führt. Mit 20 geht sie nach Weimar und beginnt eine Buchhändlerlehre – ein Schritt, der für sie befreiend ist und Vertrauen gibt.
Danach folgt München und schließlich Rom, wo sie in einem Antiquariat arbeitet und den Archäologen Guido von Kaschnitz-Weinberg kennenlernt. Sie heiraten und gehen auf Forschungsreisen nach Frankreich, Italien und Griechenland. Es erscheint ihr erster Roman „Liebe beginnt“. Und in Deutschland beginnt die Herrschaft der Nationalsozialisten.
Im Dritten Reich geht sie in „Innere Emigration“, wie viele andere Künstler auch, wagt aber keinen Widerstand.
1955 erhält sie den „Georg Büchner Preis“, die höchste Literaturauszeichnung im deutschen Sprachraum.
Nach dem Tod ihres Mannes drei Jahre später stürzt sie in eine schwere Lebenskrise. Ihre Sprache wird trotz Liebessehnsucht hart und sie bekennt:
„Das Äußerste, das ist die Grenze, dahinter steht der Wahnsinn oder die Verzweiflung, dahin wollte ich nicht.“
Marie Luise Kaschnitz stirbt 1974 in Rom.