Christian Morgenstern hat in der Riege der Dichter und Dichterinnen eine Sonderstellung. Seine witzigen, ja oft ausgesprochen skurrilen Reime lassen einen Menschen vermuten, der lustig und sorgenlos durchs Leben geht. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Als er 10 Jahre alt ist, stirbt seine Mutter an Tuberkulose, die auch er bekommt. Sein Vater, ein Maler, tut sich schwer mit dem sensiblen Knaben. Er kommt zum Patenonkel und dann ins Internat, wo noch die Prügelstrafe üblich ist. Danach landet er auf Wunsch des Vaters in einer Militär-Vorbildungsschule, die er wegen des Drills nach einem halben Jahr abbricht und in ein Gymnasium wechselt. In der Folge studiert er Nationalökonomie in Breslau und gründet mit Freunden die Zeitschrift „Deutscher Geist“ unter dem Motto „Der kommt oft am weitesten, der nicht weiß, wohin es geht“.
Krankheitsschübe der Tuberkulose plagen ihn seine Leben lang. Einen ersten Kuraufenthalt lehnt sein Vater ab. Nach abgebrochenem Studium lebt er vom Übersetzen skandinavischer Autoren, wie Ibsen und Hamsun, schreibt für mehrere Zeitungen und wird auch Verlagslektor. Unter den eigenen Werken erreichen die „Galgenlieder“ den höchsten Bekanntheitsgrad. Jetzt finanziell unabhängig, reist er viel in die Schweiz und nach Italien, wo er auch seine spätere Frau Margareta Gosebruch von Liechtenstein kennenlernt.
Seine eigene Schaffenskraft wird immer wieder durch schwere Krankheitsausbrüche unterbrochen. 1909 trifft er bei einem Vortrag in Berlin den – aus Brunn am Gebirge stammenden – Anthroposophen Rudolf Steiner, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte.
Sanatorien im Süden helfen wenig. Schließlich stirbt Christian Morgenstern in Südtirol. Grab und Urne befinden sich auf Initiative Rudolf Steiners auf dem Areal des Goetheanums in Dornach in der Schweiz.