Frank Wedekind, geboren in Hannover, wächst in einer begüterten Familie auf, die ihm, vor allem durch den Vater, kritischen Zeitgeist vermittelt und Freiraum für modernes, fast revolutionäres Denken schafft. So lebt die Familie zeitweise in den USA oder in der Schweiz, um der Enge des preußischen Regimes zu entgehen.
Der junge Frank war weder ein guter Schüler noch ein fleißiger Student. Sein Jus-Studium gibt er nach dem Tod seines Vaters sofort auf und widmet sich vor allem den leiblichen Genüssen. Hier sammelt er sexuell- erotische und wohl auch sadomasochistische Erfahrungen, die er in seinen Schriften und Bühnenwerken immer wieder anklingen lässt.
Nach einer Übersiedelung nach München ist es vor allem die Satire, die ihn als Verfasser und Schauspieler berühmt macht. Ein Satiregedicht über Kaiser Wilhelm den Zweiten, zwingt ihn nach Paris zu flüchten, und nach seiner Rückkehr muss er wegen Majestätsbeleidigung harte sechs Monate in Festungshaft.
Wedekinds Gedichte haben eine klare, sarkastische Sprache, wie die „Moritat vom Tantenmörder“, die beim bürgerlichen Publikum Proteststürme auslöst. Seine Theaterstücke, wie „Die Büchse der Pandora" oder „Frühlingserwachen" sind Stücke, die auch heute immer wieder in neuen lnszenierungen auf die Bühnen kommen. Nicht selten werden zu seiner Zeit seine Werke wegen sexueller Anstößigkeiten mit Zensur belegt.
Nach einem intensiven Leben, voll von Widersprüchen, Bewunderern und Gegnern, bringen die Folgen einer Blinddarmoperation den Dichter zu Fall. Sein letztes Gedicht ist an seine Frau Tilly gerichtet. Er stirbt und ist begraben in München.
Ein kleiner Vierzeiler zeigt, mit welch gezielt spielerischer Provokanz der Dichter die Doppelbödigkeit der damaligen Gesellschaft entlarvt.
Ob die Menschheit mich begrabe,
Häuptlings, bei lebendigem Leib,
Gilt mir doch ein schlanker Knabe,
Schöner, als ein dickes Weib.
(Erste Strophe aus dem Gedicht: „Behauptungen“)